Serge Gainsbourg (1928.1991)
Teils handgeschriebenes Typoskript.
Fünf Seiten im Quartformat.
[Paris. 1980]
« Ich werde in meinem letzten Willen und Testament vermerken: Zerstört mein Klavier. »
Kostbare Probedrucke, stark durchgestrichen, kommentiert und korrigiert von Serge Gainsbourg, als Vorbereitung für das lange einleitende Interview zu dem Buch „Gainsbourg. Au pays des Malices“ , das im Oktober 1980 auf Initiative von Franck Lhomeau und Alain Coelho bei Le Temps singulier erschien.
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Diese erste große Anthologie, die dem Künstler gewidmet ist, bietet einen faszinierenden Einblick in seine Welt. Literarische, musikalische und persönliche Themen werden nacheinander beleuchtet, von Jewgeni Sokolow bis zu seiner verlorenen Liebesbeziehung mit Jane Birkin.
Hatten Sie jemals, zumindest einmal, das Gefühl, dass Sie sich in Ihrem Schreiben selbst offenbaren?
– Nein, … vielleicht in „Initials BB“ und „Je t’aime moi non plus“ ist es etwas organischer… organischer… es ist grafisch.
Gainsbourg blickt mit Selbstreflexion auf seinen Schönheitskult zurück:
Vielleicht ist es meine körperliche Hässlichkeit, die mich dazu getrieben hat, Ästhetik, Schönheit und die Anordnung von Objekten im Raum so fanatisch zu verfolgen. Eine psychische Störung, die ich sorgsam pflege.
Auch zu seinen literarischen Vorlieben:
Ich lese Baudelaire immer wieder. Ich bin zu alt zum Lesen, weil ich keine Zeit für Fehltritte habe. Also lese ich immer wieder. „Das Tagebuch des Pestjahres“ von Daniel Defoe, Huysmans, „Là-bas“, „À rebours“, Poe in der Übersetzung von Baudelaire und Baudelaire und Rimbaud – das ist alles. Ich lese sie auch immer wieder, einfach aus purer Freude am Buch, weil ich die Originalausgabe von Madame Bovary in zwei Bänden besitze. Wunderschön. „Adolphe“ lese ich auch gerade wieder.
Das Interview schließt mit einer Diskussion über ihr Liebeskummer und ihren Tod:
Nietzsche sagte irgendwo, das größte Risiko für den Menschen, für den Menschen und sein Werk, bestehe darin, dass die Frau seinem lebendigen Werk begegne. Ist Jane Birkin für Sie ein Kunstwerk?
KEIN KOMMENTAR
Denkst du über deinen Tod nach?
Ich sehe den Lack meines Klaviers noch zwei- oder dreihundert Jahre lang glänzen. In meinem Testament werde ich vermerken: Zerstört mein Klavier.
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Bibliographie: Gainsbourg, Au pays des Malices – Seiten 7 bis 15 (Ed. Le Temps singulier).