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Marcel PROUST berührt vom Tod seines Freundes Lauris.
„Es fühlt sich an, als würde ich meine Mutter ein zweites Mal verlieren.“
4.500€
„Es fühlt sich an, als würde ich meine Mutter ein zweites Mal verlieren.“
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Marcel Proust (1871.1922)
Eigenhändiger Brief mit Unterschrift an Georges de Lauris.
Zwei Seiten in 12° auf Trauerpapier.
Slnd [Montagabend, 18. Februar 1907]
Kolb, Band VII, Seiten 83-84
„Es fühlt sich an, als würde ich meine Mutter ein zweites Mal verlieren.“
Proust erfährt vom Tod der Mutter seines Freundes Georges de Lauris.
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Mein lieber Georges, mir scheint, als verlöre ich meine Mutter ein zweites Mal. Und es ist für dich viel schrecklicher, als es für mich war, nach so langer Hoffnung und nachdem ich sie so leiden sah. Doch all das verblasst nun, da ich sie nicht mehr habe, deine Mutter, die ich so sehr liebte und die ich nie richtig kennengelernt habe, deren Gesicht von heldenhaftem Mut, Sanftmut und Abgeschiedenheit von allem, was nicht du und dein Vater seid, mir fremd blieb und doch ein Jahr lang so präsent war. Und dein Vater, an den ich ständig denke, dessen Schmerz verfolgt mich, und da ich ihn nie gesehen habe, kann ich ihn mir nicht vorstellen. Und es ist weniger grausam, denn dich, Georges, sehe ich, fühle ich, lebe ich, und das ist für mich die schrecklichste aller Qualen. Könnte ich dir doch nur helfen, dir nahe sein, deinem und meinem Schmerz entsprechend handeln. Doch meine Ohnmacht fesselt mich noch grausamer daran. Jean Blanc wird dich fragen, ob ich außer ständigem Nachdenken und Weinen noch etwas für dich tun kann. In herzlicher Verbundenheit, Marcel.