Jean Cocteau (1889.1963)
Eigenhändiger Brief an Jean Marais.
Eine mit einer Zeichnung verzierte Quartseite.
Paris. Weihnachten 1942.
„Wir werden weiterhin über dich sprechen und auf dich warten.“
Ein wunderschöner, illustrierter Brief von Cocteau – geschrieben in seinem eigenen Namen und dem von Paul Morihien – an seinen ewigen Geliebten Jean Marais. Am Weihnachtsabend erzählt Cocteau liebevoll von den Theaterprojekten und Filmvorführungen, die die Stunden der Trennung füllen.
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„ Stell dir den wunderschönen Baum vor, voller Sterne und Lichterketten, den wir in deinem Zimmer aufstellen! Wir hängen sogar Knochen für Moulou [Tristans Hund in Jean Delannoys * L’Éternel Retour Mein lieber Jeannot, das Komitee hat uns den 15. März als Termin genannt. Das gibt dir Zeit, *Carmen* fertigzustellen, und erlaubt mir, das Stück zu proben. Insofern sieht alles gut aus, und der Himmel beschützt uns.“
Heute wird unser Königspalast wohl nicht an irgendwelchen Feierlichkeiten teilnehmen. Wir bleiben zu Hause, sprechen über dich und warten auf dich. Von allen Festen ist dies das schönste. Ich wünsche mir kein anderes. Ich werde morgen deine Mutter besuchen und meine. Gestern Abend war ich mit Gilbert [Gilbert Gilles] im Film „Liebesbriefe“, der wie eine Seifenblase ist, nur sehr rund und schillernd. Ein bezaubernder Film, in dem mir François Périer besonders gut gefallen hat. Denk an uns, so wie wir an dich denken. Ich küsse dich von ganzem Herzen. Jean
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1941, während der deutschen Besatzung, lernte Jean Marais, der seit Februar 1938 Cocteaus Lebensgefährte war, Paul Morihien kennen. Die beiden wurden ein Liebespaar. Cocteau schien auf diese Affäre, die zudem in seinem Haus stattfand, nicht eifersüchtig zu sein. Er empfing Morihien so herzlich, dass dieser bald sein Sekretär wurde.