[MOLIÈRE]. Bericht über Molières Beerdigung.
Ein detaillierter Bericht über Molières Beisetzung, angeblich adressiert an Pater Boyvin, „Priester Doktor der Theologie, in St. Joseph“
Handgeschriebener Brief, eine Seite im Format 8°, Adresse auf der Rückseite: „Für Herrn Boyvin / Priester Doktor der Theologie / AS t Joseph“, Reste eines Wachssiegels.
Februar 1673 [Conches-Flugblatt? um 1840?]
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Am Dienstag, dem 21. Februar 1673, gegen 21 Uhr, fand die Trauerprozession für Jean Baptiste Pocquelin Molière, Polsterer, Kammerdiener und berühmter Schauspieler, ohne jeglichen Pomp statt, abgesehen von drei Geistlichen. Vier Priester trugen den Leichnam in einem mit Polsterwolle bedeckten Holzsarg. Sechs Kinder in blauen Gewändern trugen sechs Kerzen in zehn silbernen Leuchtern; mehrere Lakaien trugen brennende weiße Wachsfackeln. Der Leichnam wurde von der Rue de Richelieu vor dem Hôtel de Crussol zum Friedhof Saint Joseph gebracht und am Fuße des Kreuzes beigesetzt. Eine große Menschenmenge war anwesend, und unter den Armen wurden 1.200 bis 1.200 Livres verteilt, je fünf Soles. Der genannte Molière war am Abend des Freitags, dem 17. Februar 1673, gestorben.
Der Erzbischof hatte angeordnet, dass er ohne jeglichen Pomp beerdigt werden sollte, und den Priestern und Ordensleuten der Diözese sogar verboten, einen Gottesdienst für ihn abzuhalten. Dennoch wurden zahlreiche Messen für den Verstorbenen angeordnet.
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Die Form des Briefes selbst, der lediglich einen detaillierten Bericht über die Beerdigung bietet, ohne höfliche Formeln oder Unterschrift, im Stil einer handgeschriebenen Kurzgeschichte, ist überraschend.
Dieser Brief wurde erstmals 1850 von dem Autographensammler Benjamin Fillon in seinen *Considérations historiques et artistiques sur les monnaies* (Anmerkung S. 193–194) erwähnt. Jules Loiseleur veröffentlichte ihn später in *Les Points obscurs de la vie de Molière* (1877, S. 350–351). Das Dokument, das in den Besitz von Jules Taschereau (1801–1874) gelangte, befindet sich bis heute im Familienbesitz.
1972 veröffentlichten Madeleine Jurgens und Elizabeth Maxfield-Miller in einem Artikel in der Revue d'histoire du théâtre (IV, S. 366–369) eine Reproduktion mit folgendem Kommentar: „Wir waren diesem Brief gegenüber zunächst skeptisch, da er von Benjamin Fillon entdeckt worden war und wir ihn damals nicht ausfindig machen konnten. Inzwischen wurde uns dieser Brief, der tatsächlich aus dem 17. Jahrhundert stammt, freundlicherweise vom jetzigen Besitzer der Sammlung Jules Taschereau, zu der er gehört, zur Verfügung gestellt.“
Trotz der Zusicherungen der beiden angesehenen Molière-Forscher und der von ihnen zur Verfügung gestellten Reproduktionen zitiert Roger Duchêne diesen Brief in seiner Molière-Biografie (2006, S. 728) lediglich in einer Anmerkung und mit vielen Vorbehalten.