Die literarischen Anfänge von Alfred Jarry, erzählt von einem Augenzeugen.

„Er sprach oft mit mir überUbu Roi, als wäre es ein Puppentheaterstück, das er selbst geschrieben und in der Vergangenheit aufgeführt hatte.“

2.500

[Alfred JARRY] – Louis LORMEL (1869.1922)

Eigenhändiges Manuskript unterschrieben.

Fünf Seiten im Quartformat auf Millimeterpapier.

Slnd [1921]

Die Anfänge des Symbolismus. Rémy de Gourmont, Alfred Jarry und die Literatur. Die Ursprünge von Ubu Roi.

 

„Er sprach oft mit mir überUbu Roi, als wäre es ein Puppentheaterstück, das er selbst geschrieben und in der Vergangenheit aufgeführt hatte.“

Ein wertvolles Arbeitsmanuskript in seiner ersten Fassung, das den ersten Teil seines Artikels über Jarry darstellt, der Gaulois du dimancheam 3. Dezember 1921

Louis Lormel (bekannt als Louis Libaude) gründete im Oktober 1892 mit Hilfe einiger Freunde seine Zeitschrift L'Art littéraire. Im Dezember 1893 veröffentlichte Alfred Jarry in dieser Zeitschrift seinen ersten Text: das Gedicht Berceuse pour endormir le mort, signiert mit "Alfred-Henry Jarry" (später in Les Minutes de sable mémorial aufgenommen).

Das Verhältnis zwischen Lormel und Jarry kühlte sich ab, als Jarry Anteilseigner des Mercure de Franceund fortan ausschließlich für diese Zeitung arbeitete. Am Ende von Alfred Jarrys Leben versöhnten sie sich jedoch. Nach Jarrys Tod im Jahr 1907 veröffentlichte Louis Lormel in La Phalange dem er dessen Stil als „die unendliche Vielfalt von Bildern, die in einem bisweilen undurchsichtigen Muster aufeinanderprallen und sich verflechten“ beschrieb.

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„Ich habe diese Erinnerung immer in Ehren gehalten. Beim Durchblättern der 1886 erschienenen Sammlung von La Décadencekam mir 1892 die Idee, L’Art littéraire, eine kleine Zeitschrift im gleichen Format und Erscheinungsbild mit dem Titel Bulletin mensuel d’Art et de Critique. Sie erschien im Oktober.“

1886 studierte ich noch; 1892 waren meine Mittel, wie auch meine Freizeit, sehr begrenzt. Um das Projekt überhaupt erst in Gang zu bringen, produzierte ich *L’Art littéraire* fast vollständig in Eigenregie. Doch schon ab der ersten Ausgabe erhielt ich die Unterstützung von François Coulon, dem Autor von *Euryalthès, findet sich in der Mercure de France* Oktoberausgabe 1892 von * Essai de Rénovation théâtrale“ (Essay über die TheaterrenovierungWas wurde daraus? […]

seit 1890 Mercure und bereits einen bekannten Namen hatte, war L’Art littéraire. In Ausgabe 11 der Zeitschrift findet sich einer seiner Prosatexte: Le Camaldule. Für Ausgabe 12 schickte mir Stéphane Mallarmé auf meine Bitte hin ein damals in Frankreich unveröffentlichtes Sonett: A des heures et sans que tel souffle l’émeuvegewidmet den Mitgliedern der Excelsior, einer Gruppe belgischer Freunde. Beinahe hätte ich Herrn André Gide vergessen, der mir diese Verse zukommen ließ, die ich hier nur aus Neugier zitiere. […]

Schließlich erschien in der 13. Ausgabe, der letzten der Zeitschriftenreihe, ein Gedicht von Alfred Jarry: „ Lullaby to Lull the Dead Man to Sleep“ (später umbenannt in „Lullaby of the Dead Man to Fall Asleep“), sein erstes veröffentlichtes Werk. Ich war es also, der Jarry der Öffentlichkeit vorstellte. Er war damals 20 Jahre alt. erdas Lycée Henri IV verlassen, wo er offenbar gute schulische Leistungen erbracht hatte. Auf dieses Lycée bezieht er sich zu Beginn seiner Broschüre über Albert Samain, als er die Gegend um das Panthéon erwähnt.

Die Zeitschrift „Literary Art“ wurde von einem polnischen Juden in der Rue du Four 3 gedruckt. Dieser Mann, der als Jude und Pole die Russen hasste, sagte mir damals: „Ihr Franzosen wisst nichts über Russland und leiht ihm Geld. Das wird euch eines Tages teuer zu stehen kommen.“ Er hatte nicht ganz unrecht.

In der Revue blancheverkündete Herr Tristan Bernard: „Soeben erschienen: L'Art littéraire, dessen Büros sich in der Rue du Four 3 befinden. Hoffen wir, dass sich diese Straße für ihn nicht als prophetisch erweisen wird.“

niedergelassenin einem kleinen Haus an der Ecke Rue de Buci und Rue du Four Jarry hielt damals bereits Eulen in Käfigen und fütterte sie mit Pferdefleisch und anderen Essensresten.

Es ist wichtig zu verstehen: Jarry war damals nicht arm. Er galt sogar als wohlhabend und half mir „L’Art littéraire“. 1894 bei der Gründung der Zeitschrift Er sprach oft mit mir über „Vater Ubu“, als wäre es ein Puppentheaterstück, das er selbst geschrieben und mit Marionetten am Gymnasium in Rennes aufgeführt hatte. Pater Ubu war eine Karikatur eines gewissen Physikprofessors (daher folglich der Begriff Pataphysik) namens Hébert. Dieser, so erzählte mir Jarry, „züchtete Polyeder“.

Zu jener Zeit litt Jarry möglicherweise an Tuberkulose, war aber noch kein Alkoholiker, wie er es später wurde. Während seines Militärdienstes war er in Amélie-les-Bains hospitalisiert gewesen und hatte sich das Bett mit dem jungen Sucrier Max Lebaudy geteilt. Er studierte Literatur, wofür ihm seine Familie Geschenke zukommen ließ. Vor allem aber widmete er sich der Heraldik und träumte davon, ein Buch zu schreiben, „in dem alles auf Wappen basiert“ […]

 

 

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