Louise MICHEL und die Qualen der alten Gesellschaft.

« Ja, alles erscheint wirklich furchtbar, aber so ist nun mal jede Qual. Die Qual der alten Gesellschaft ist die Qual einer Ungeheuerin

1.800

Louise MICHEL (1830.1905)

Eigenhändiger Brief an Genossen Alexandre Roy.  

Vier Seiten in 8°. Gemeinsam mit ihrer Freundin Charlotte Vauvelle verfasst.

London. [18. Juni 1900]. Handgeschriebener Umschlag.

Herbariumabzüge (in einem separaten Umschlag aufbewahrt) auf den mittleren Seiten.

 

« Ja, es klingt alles ziemlich schrecklich, aber so ist nun mal jedes Leid

Louise Michel beobachtet die Qualen der alten Gesellschaft und hofft auf das neue Jahrhundert.

 

„Mein lieber Freund, ein Wort, während wir warten (…) Uns geht es gut, und wir werden es bald nicht mehr tun, dir diesen lang versprochenen Brief zu schicken. Deine Nelken kamen so voller Leben an und schienen so lebenshungrig, dass ich sie in ein Glas stellte, wo sich sogar die Knospen aufrichteten. Ja, alles erscheint ziemlich schrecklich, aber alle Qualen sind so. Die der alten Gesellschaft ist die Qual einer Ungeheuerin. Möge sie diesmal dort sterben und das neue Jahrhundert gebären.

Nach einigen Zeilen von Charlotte Vauvelle, die hofft, ihre Freundin im Rahmen einer bevorstehenden Vortragsreise endlich persönlich kennenzulernen, fügt Louise Michel hinzu:

Ich habe vergessen, dir wegen Tolstois Auferstehung zu antworten, die ich auf Englisch gelesen habe; das ist die einzige Möglichkeit, sie zu lesen. Ich fand sie so wunderschön, dass ich immer wieder darauf zurückkomme. Auferstehung ist das wahre Wort, das die Strafe der alten Welt ersetzen wird. Viele von uns haben das schon lange gespürt. Wir haben sie ins Französische übersetzt, aber nicht schriftlich festgehalten. Ich würde die französische Übersetzung gern einmal sehen; sie soll sehr gut sein.“

 

 

Kontaktformular

Neue Produkte