[Arthur Rimbaud] – Ljubica Cuca SOKIC (1914.2009)
Eigenhändiger Brief an Olga Kéchélievitch.
Sechs Seiten in 4°. 30. März 1940. Vereinzelt Bräunung.
Ein bemerkenswerter Brief des serbischen Malers, illustriert mit einer Originalzeichnung, die Arthur Rimbaud mit in den Armen vergrabenem Kopf zeigt.
„Cujemo, heute waren Gasa, Pedja und Tabakovic bei mir. Gasa hat stark abgenommen. Ich weiß nicht, was mit ihr los ist. Sie wirkt unglücklich. Pedja ist wie immer. Und Tabakovic – ich weiß nicht. Ich weiß nicht, ich habe mich heute Abend in ihrer Nähe nicht wohlgefühlt. Es war, als kämen sie von einem anderen Planeten. Was ist nur mit mir los? Ist es nur eine vorübergehende Stimmung? Oder vielleicht auch nicht. Ich würde dich gern sehen. Mit dir über alles reden. Ich habe vollstes Vertrauen in dich; ich glaube aber, dass ich mich ein bisschen verändert habe. Du würdest mir sagen, was du denkst. Mir geht es nicht schlechter, ich bin immer noch ich, vielleicht sogar ein bisschen mehr als früher. Das würdest du sehen, da bin ich mir sicher, und du würdest mich auch lieben, da bin ich mir ebenfalls sicher. Persönlich, Cujemo, aber die Tabakovics sind mir völlig fremd. Was sagst du dazu? Sag es mir.“
Ich lese Rimbaud und liebe ihn ungemein . Ich liebe ihn, als ob ich ihn schon ewig kennen würde, als ob wir fast ein und dieselbe Person wären. Ganz persönlich – und du liebst ihn ja auch sehr, das hast du mir schon so oft in deinen Briefen geschrieben. Ich möchte dir am liebsten sein Prosagedicht „Mauvais sang“ abschreiben, so sehr liebe ich es. Aber du kennst es ja. Magst du es? Rimbaudcic, Eine Saison in der Hölle . Ich mag Prosagedichte im Allgemeinen. Papa ist gerade von seiner Reise zurückgekommen. Er hat Wild mitgebracht, als wäre er auf der Jagd gewesen. Zwei tote Vögel. Sie sehen traurig aus. Ich dachte daran, sie zu malen, aber es ist zu traurig. Ich kann es nicht, ihre entspannten Köpfe – sie sehen wirklich aus wie Kinder. Und sie sind immer zusammengebunden. Und Seite an Seite.