Antonin Artaud (1896–1948)
Eigenhändiger Brief an Marius-François-Pierre Roustan, Minister für öffentliche Bildung und Schöne Künste
Zwei Folioseiten. Paris, 16. Oktober 1931.
Nachtrag von Jean Paulhan und handschriftliche Anmerkung des Empfängers: " 33 Jahre alt, nicht verheiratet ".
Ein großartiger Brief, in dem Antonin Artaud seinen Antrag auf Subventionen mit einer Liste seiner bemerkenswertesten Werke und Leistungen untermauert.
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„Herr Minister, ich beehre mich, Sie um Ihre freundliche Unterstützung bei der Zuweisung von Mitteln aus dem Briefefonds zu bitten. Ich bin unter anderem Autor einer Art Bearbeitung von Lewis’ „Der Mönch“, die im vergangenen März bei Denoël und Steele erschienen ist, sowie mehrerer Broschüren, die von Gallimard in der Reihe „Ein Werk, ein Porträt“ veröffentlicht wurden, darunter „Der Nabel der Vorhölle“, „Der Nervenwäger“ und „Jacques Rivière-Korrespondenz“.
Ich schreibe seit 1924 für die Nouvelle Revue Française. 1927 gründete ich das Alfred-Jarry-Theater , in dem unter anderem „Les Mystères de l'Amour“ und „Les Enfants au pouvoir“ von R. Vitrac aufgeführt wurden, und vor allem die französische Erstaufführung von Strindbergs „Ein Sommernachtstraum“. Derzeit arbeite ich an einer Biografie Abaelards, die mich voll und ganz in Anspruch nimmt und intensive Recherchen in verschiedenen Bibliotheken erfordert. Um dieses Werk erfolgreich und in voller Freiheit abschließen zu können, bitte ich um Ihre Unterstützung. Herr Minister, bitte ich Sie, meine höchsten Grüße entgegenzunehmen. Antonin Artaud.
Jean Paulhan unterstützt Artauds Bitte zu Beginn des Briefes und gibt die Adresse des Dichters an:
„Herr Antonin Artaud ist ein bemerkenswerter Schriftsteller und darüber hinaus absolut ehrlich und integer. Er benötigt dringend Hilfe. Ich empfehle ihn dem Minister daher respektvoll zur Prüfung.“
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Erst Ende Januar 1937 erhielt Artaud, der weiterhin von Pauhan unterstützt wurde, nach mehreren Ablehnungen eine „Nothilfe“ in Höhe von 600 Francs aus dem Briefefonds.
Alle hier vom Autor zitierten Werke sind von grundlegender Bedeutung: Sie markieren die ersten Meilensteine einer beginnenden Karriere und bilden das Spektrum von Artauds künstlerischer Persönlichkeit. Zwischen Schreiben und Bühne, zwischen Prosa und Briefroman, Mystik und surrealistischer Verlockung offenbart diese kurze Darstellung von Artauds Werken durch ihn selbst die ganze Tragweite seines Schaffens, sowohl des vergangenen als auch des zukünftigen.
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